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Argwöhnisch und voller Neid verfolgten die mächtigen Adligen in der Lausitz und in Böhmen, wie die Städte durch Gewerbefleiß und Handel aufblühten
und zu einer politischen Macht wurden.
Auf ihren Burgen und Schlössern führten sie ein wildes Leben mit
Trinkgelagen, Spiel und Jagden. Längst reichte ihnen das nicht mehr aus, was sie ihren Bauern abpressten. So nahmen sie sich das Recht heraus, sich auf Kosten der Städte schadlos zu halten.
Sie überfielen die stark bewachten Handelszüge und schleppten die Ladungen mit sich fort. Manchmal verbündeten sie sich miteinander, dann wieder fochten sie verlustreiche Fehden gegeneinander aus. Dörfer, Burgen und Vorstädte
standen so manches Mal in Flammen, die Landstraßen waren unsicher geworden. Die benachbarten Städte Görlitz, Löbau, Bautzen, Kamenz, Zittau und Lauban erkannten
die Gefahren, die ihnen von den Herrensitzen drohten. Damals, im 14. Jahrhundert trieb der Herr von Tollenstein ein böses Spiel mit den Kaufleuten der Lausitz. Seine Burg lag
auf einem schwer zugänglichen Felsen in der Nähe von Georgenthal in Böhmen. Von dort aus beherrschte er die Straße, die nach Prag führte. Oft wurden hier Wagen
ausgeraubt und die Begleitmannschaften niedergemacht. Alle Beschwerden fruchteten nichts. Da unternahm der Herzog von Jauer im Auftrage des Königs Johann einen
Straffeldzug gegen den frechen Räuber. Die Städte der Lausitz stellten 1337 dazu eine beachtliche Streitmacht auf und belagerten die vorzüglich befestigte und verteidigte Burg
. Erst nach einiger Zeit gelang der Sturm. Die Burg wurde niedergebrannt und abgetragen, damit das Ärgernis für immer verschwand. Die überlebenden Insassen wurden mitgenommen und an den Galgen gebracht.
So hatten die Städte selbst die Erfahrung gewonnen, dass sie gemeinsam viel vermochten. Am 21. August 1346 versammelten sich die Ratsherren der sechs Nachbarstädte in Löbau und handelten ein Schutzbündnis aus. So entstand der
Sechsstädtebund, der seine Mitglieder über einige Jahrhunderte hinweg zum gemeinsamen Nutzen einigermaßen fest verband. Die Vereinbarung verpflichtete die
Städte, sich gegen Mörder und Räuber zu helfen. Wer von einer der Städte geächtet worden war, fiel auch bei den anderen in Ungnade. 1350 kamen die Ratsherren der
sechs Städte in Bautzen zu einem neuen Städtetag zusammen. Dort einigten sie sich über das gemeinsame Vorgehen gegen Straßenräuber. 1353 legte man fest, wie die
Kosten für gemeinsame Unternehmungen aufgeteilt werden sollten. Auf Görlitz als das reichste und mächtigste Mitglied entfielen drei von neun Teilen auf Bautzen und Zittau je zwei.
Kaiser Karl IV. bevollmächtigte den Bund 1355, dem Landfrieden schädliche Burgen einzunehmen und abzubrechen. Neue Burgen durften ohne seine Einwilligung nicht mehr
entstehen. Wer sich widersetzte, sollte in die Acht des Kaisers und der Städte kommen. Die Städte konnten sogar selbst darüber befinden, welche Burgen als Ärgernisse galten
und verschwinden sollten. 1360 wurde bestimmt, dass auch die Klöster geächteten Räubern keinen Unterschlupf mehr geben durften. Die gemeinsame Entscheidung traf
ein Oberlausitzer Feme-Gericht, das unter Vorsitz eines angesehenen Adligen zusammentrat. Seine Tagungen hielt dieses Gericht öffentlich in Löbau, Zittau oder  Görlitz. Bürgerliche und adlige Schöffen fanden das Urteil. Der erste gemeinsame Kriegszug der Sechsstädte führte 1349 zur Burg Oybin bei Zittau, die der böhmische Raubritter von
Michelsberg 1343 dem König geraubt hatte. Aber erst nach Wochen fiel das schwer zugängliche Raubnest und wurde zerstört. Jahre später ließ der Kaiser dort ein Kloster errichten.
1352 bezwangen die Städte das in der Nähe gelegene Kloster Korste. Auch seine Trümmer wurden niedergerissen. 1399 schließlich zogen die verbündeten Städte gegen
die Raubburg Rohnau am Neißetal bei Hirschfelde, von der aus der gewalttätige Markgraf Jobst von Mähren die Straße von Görlitz nach Zittau unter seiner Kontrolle hielt.
Nach dem erfolgreichen Sturm blieben außer ein paar Mauerresten nur ein Keller und ein Brunnen von der gefährlichen Stätte übrig. König Wenzel gab zwar nachträglich sein
Einverständnis, aber erst nachdem er durch ein gehöriges Sümmchen milder gestimmt worden war. Die Städte wussten wohl, dass sie dem Landesherren als treue Verbündete gegen
anmaßende Feudalherren unentbehrlich geworden waren. Sie waren mit Hilfstruppen zur Stelle, als Kaiser Karl IV. in Württemberg und Brandenburg seinen Willen mit Gewalt
durchsetzen musste. Er zeigte sich der Stadt Görlitz auch besonders gewogen. 1373 und 1375 bestätigte er Görlitz das Recht der "freien Ratskür", das die mächtigen
Geschlechter der Stadt schon lange als ihr Gewohnheitsrecht geübt hatten. Aber manchmal wurde es selbst dem Kaiser zu bunt, wenn die selbstbewussten Städte
ihre Macht allzu eifrig zum eigenen Vorteil einsetzten. Dem Görlitzer Rat war das Städtchen Neuhaus ein Ärgernis, das Herzog Bolko von Schweidnitz hatte erbauen
lassen. Statt den Weg über Görlitz zu wählen und hier die Salz und Waidsteuer zu zahlen, bevorzugten nun viele Fuhrwerke auf ihrer Reise nach Schlesien und Polen dieses
Neuhaus als Zwischenstation. Mit zurechtfrisierten Räubergeschichten und guter Bewirtung konnten die Görlitzer ihre Partnerstädte herumkriegen, kurz vor Weihnachten
1368 das ahnungslose Heidestädtchen zu überfallen auszurauben und einzuäschern, nicht anders, als es sonst die adligen Schnapphähne zu tun pflegten. Die Herzogin -
Witwe beklagte sich beim Kaiser, die nach Prag gerufenen Vertreter der Städte wurden erst einmal festgesetzt. Die Partner schoben alle Schuld auf Görlitz, das dann auch wohl
oder übel ein beträchtliches Bußgeld aufzubringen hatte. Um weiterem Ärger aus dem Wege zu gehen, kaufte Görlitz einfach das Gebiet von Neuhaus und ließ die restlichen
Gebäude wegreißen. Ging es um Vorteile auf weite Sicht, griffen die Mächtigen in Görlitz auch einmal tiefer in ihre Geldtruhen. Dies wurde dann nötig beim Kauf des Berges Landeskrone. Die Befestigungen auf den
zwei Gipfeln im Südwesten der Stadt gehörten zuerst den Herren von Landeskron, dann den mächtigen Bibersteinern und ihren Vasallen, die der Stadt mit ihren Räubereien
Verdruss bereiteten . Als dann 1437 Herzog Hans von Sagan Berg und Schloß erwarb, fürchteten die Görlitzer Ratsleute diese bedrohliche Nachbarschaft und wollten die
Burgbewohner einfach aushungern, indem sie die Zufuhr von Lebensmitteln unterbanden. 1440, nach dem Tode des Herzogs, machten dessen Söhne dem lästigen Streit ein
Ende und verkauften den Berg mit Klein - Biesnitz, Kunnerwitz und Neundorf an die Stadt, die auch die Burg umgehend wegreißen ließ.
Trotz gelegentlicher Übergriffe war der Sechsstädtebund doch eine Friedensmacht. Unter seinem Schutze entfalteten sich Handel, Gewerbe und Landwirtschaft. Im Auf und Ab der
Geschichte bewährte sich der Zusammenhalt der Städte über fast 500 Jahre, und heute wird er auf neue Weise wieder lebendig.
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