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 Daß Müßigkeit und Habsucht gewöhnlich zu
nichts Gutem führen, mußte auch ein Schmied in Görlitz erfahren. Er wohnte der Sage nach in einem Hause an der nordwestlichen Ecke des Obermarktes, wo nun ein kleines Keramikrelief an seine Geschichte erinnert.
Dieser Schmied, der wahrscheinlich Vollprecht hieß, verstand sich auf sein Handwerk. Man achtete seinen Fleiß und bedachte ihn gern mit Aufträgen, so daß er sein Auskommen hatte. Nun verdingte sich eines
Tages ein Geselle bei ihm, dessen Äußeres nicht gerade gewinnend war, denn er hatte nur ein Auge, rote Haare und einen Hinkefuß. Aber in der Arbeit tat es ihm so
leicht keiner an Kraft und Geschicklichkeit gleich. Weil ihm alles so rasch und gut von der Hand ging, erledigte er bald alle Aufträge ganz allein. Und da er sich genügsam
und bereitwillig zeigte, so gewöhnte sich sein Meister daran, ihn für sich arbeiten zu lassen. Nicht lange, und der einst so fleißige Schmied war nicht wiederzuerkennen.
Man sah ihn kaum noch in der Werkstatt, dafür aber vertrödelte er seine Zeit vom Vormittag bis in die Nacht in den Gaststuben. Beim unmäßigen Zechen und beim
Glücksspiel verjubelte er alles Geld, das ihm sein emsiger Geselle mit seiner Arbeit eingebracht hatte. In den späten Abendstunden kam nun eines Tages ein vornehmer Reitersmann auf
schwarzem Pferde vor die Wohnung des Schmiedes. Von Kopf bis Fuß war er schwarz gekleidet, nur eine rote Hahnenfeder wippte auf seinem Barett. Sogar dem
hartgesottenen Meister kam der Fremde unheimlich vor, da er aber wie gewöhnlich in Geldnöten war, ließ er sich auf eine merkwürdige Bestellung des Gastes ein. Dieser
wünschte ein Gruftgitter und versprach dafür eine selten hohe Summe, aber es sollte bis Mitternacht des dritten Tages fertig sein. Die Hälfte des Geldes wollte er im
voraus bezahlen. Der Meister war gierig auf die klingenden Münzen, denn er wollte rasch zu seinen Kumpanen in die Kneipe zurück und sich als spendabler Zechbruder
vor ihnen großtun. Da er aber vom Biere schon reichlich benebelt war, versprach er dem Fremden übermütig, mit Leib und Seele dafür einzustehen, daß das bestellte
Gitter rechtzeitig fertig werde. Darauf ging der geheimnisvolle Reiter gern ein und ließ sich diese Bedingung mit dem Blute des Meisters unterschreiben, dann war er wie
vom Erdboden verschluckt. Der Schmied aber strich die funkelnden Goldstücke in seinem Beutel und torkelte zu einem ausgiebigen Gelage. Am anderen Morgen beauftragte er wie immer seinen Knecht, die Arbeit auszuführen, und dieser
beteuerte lachend, er werde das wohl an einem Vormittag schaffen. Der Meister versaß die Tage bei Umtrunk, das viele Geld alsbald zerronnen. Erst am dritten
Nachmittag fiel ihm sein Versprechen wieder ein, aber er glaubte fest, sein Geselle werde wie gewohnt alles zur Zufriedenheit erledigt haben. Tatsächlich fand er in der
Werkstatt das fertige Gitter. Nur ein Ring fehlte daran, doch der Geselle war auf und davon. Nun versuchte er in aller Eile selbst, den letzten Ring zu schmieden, aber
jedes Stück Eisen zersprang unter seinen Hammerschlägen. Jetzt dämmerte es ihm, daß er sich mit dem Teufel eingelassen hatte. In wilder Verzweiflung versuchte er
immer aufs neue, den winzigen Rest des Auftrages zu meistern. Alles blieb vergeblich. Beim ersten Glockenschlag um Mitternacht öffnete sich die Erde unter
ihm und verschlang ihn. Nun war er dazu verdammt, unter der Erde an dem fehlenden Ring zu schmieden. Hörte man genau hin, so konnte man zu mitternächtlicher Stunde
an der beschriebenen Ecke des Obermarktes ein deutliches unterirdisches Pochen vernehmen, und es hieß dann, der Nachtschmied von Görlitz sei wieder am Werke.
Auch als im vorigen Jahrhundert die klugen Herren der naturforschenden Gesellschaft nach gründlicher Untersuchung herausgefunden zu haben meinten, die hämmernden
Geräusche hätten ganz harmlose und natürliche Ursachen, verloren sich die Mutmaßungen nicht. Noch immer erzählten die alten Leute ihren Enkeln und Urenkeln
die gruselige und doch so belehrende Begebenheit vom verlotterten Schmied, den am Ende - merkt es euch! - der Teufel geholt hatte. Später brachten einfallsreiche
Spintisierer ein Gruftgitter auf dem Nikolaifriedhofe mit der Sache in Verbindung. Um Neugierige anzulocken, half man wohl dem Teufel ein bißchen nach und ließ einen
Ring des Gitters, sobald er neu angeschmiedet worden war, in der nächstfolgenden Nacht wieder verschwinden. Heute verschließt dieses kunstvoll gestaltete Gitter,
etwas umgearbeitet, die hintere Toreinfahrt im Hofe des Museums Neißstraße 30. Stehen die Reisegruppen davor, sind sie zuweilen sichtbar enttäuscht. Der Ring fehlt
nicht mehr. Wer weiß, vielleicht hat der geplagte Nachtschmied seine Sünden endlich gebüßt.
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